Landrat Ralf Reinhardt und REG führen Unternehmensbesuche im Nordwesten des Landkreises fort

Im Dialog mit Hoch- und Tiefbau Wittstock:

Herausforderungen und Perspektiven für Wohnungsbau, Fachkräfte und Gewerbeflächen

Der erste Unternehmensbesuch bei frühlingshaften Temperaturen führte Landrat Ralf Reinhardt, die Wirtschaftsförderung der Stadt Wittstock/Dosse, vertreten durch Nadine Fürch sowie die REG mit Geschäftsführer Steffen Müller zum renommierten mittelständischen Unternehmen Hoch- und Tiefbaugesellschaft Wittstock mbH. Kaum angekommen, wurde direkt tief in die Themen der regionalen und nationalen Bauwirtschaft eingestiegen. Im Mittelpunkt stand die aktuelle Lage der Branche sowie Perspektiven für die wirtschaftliche Entwicklung der Region. Diskutiert wurden unter anderem die Situation im Wohnungsbau, Rahmenbedingungen für Investitionen sowie die Weiterentwicklung von Gewerbeflächen.

Stichwort Wohnungsbau. Der Gesellschafter Uwe Schedel sowie seine Partnerin, geschäftsführende Gesellschafterin Christina Schwarzer berichteten, dass steigende Bau- und Energiekosten und die damit verbundenen wirtschaftlichen Unsicherheiten derzeit zu einer spürbaren Zurückhaltung bei privaten Investitionen führen. Szenarien wie vorliegende Baugenehmigungen, die nicht in die Umsetzung gelangen, sind keine Seltenheit. Gleichzeitig bleibt der Bedarf an Wohnraum hoch und die Führungsriege des Unternehmens wünscht sich, den Fokus wieder auf ebendiese Sparte legen zu können. Natürlich gab es auch Positives zu berichten: Die Vorbereitungen für anstehende Bauarbeiten im Quartier „Rote Mühle“ in Wittstock/Dosse sind nahezu abgeschlossen und nicht zuletzt geht es mit der Errichtung des pädagogischen Zentrums in Neuruppin voran.

Auch die Fachkräfteentwicklung wurde thematisiert. Das Unternehmen teilte überwiegend positive Erfahrungen mit Ausbildung und dualen Studiengängen. Als besonders sinnvoll wird ein Ausbildungsweg angesehen, bei dem zunächst ein handwerklicher Beruf – etwa im Maurerhandwerk – erlernt und anschließend ein Studium im Bauwesen angeschlossen wird. Neben der Ausbildung im eigenen Betrieb könnten auch internationale Fachkräfte künftig eine größere Rolle spielen, sofern deren Qualifikationen schneller anerkannt werden und der Einstieg in den Arbeitsmarkt erleichtert wird. Auch die Stärkung des Standortmarketings in Richtung zuziehender oder rückkehrender Fachkräfte aus dem deutschsprachigen Raum und eine strukturierte Willkommensinitiative wurde als eine sinnvolle Maßnahme identifiziert.

Impressionen Landrat und REG bei Hoch Tief Wittstock 2026

v.l.n.r. Ralf Reinhardt, Christina Schwarzer, André Basedow, Uwe Schedel, Nico Wagner-Kobel, Nadine Fürch, Steffen Müller (Foto: Alena Fissek, REG)

Nach einem kleinen Exkurs zum stets aktuellen Thema der E-Mobilität, welche für alle Unternehmen mit Flotte in Zukunft eine hohe Relevanz haben wird, kam das Gespräch auf die Entwicklung von Gewerbeflächen im Landkreis. Diskutiert wurde die Möglichkeit, gemeinsam mit regionalen Partnern eine zentrale Stelle zur Koordination und Vermarktung von Gewerbeflächen aufzubauen, um Investitionen in der Region gezielter zu unterstützen – was wiederum einen positiven Effekt auf die Baubranche nach sich ziehen würde.

„Die Unternehmen wollen was schaffen. Aber wir werden nicht gelassen, es fehlt die Entscheidungsfreudigkeit“, so Christina Schwarzer. Wirklich pessimistisch scheint aber niemand aus den Reihen des Unternehmens zu sein. Die drei Geschäftsführenden inklusive Uwe Schedel als erfahrener Wegbereiter wirkten souverän, professionell und gut eingespielt, was keinen Zweifel am weiteren Erfolg des Unternehmens auch in unsicheren Zeiten aufkommen lässt.

„Die Unternehmen wollen was schaffen. Aber wir werden nicht gelassen, es fehlt die Entscheidungsfreudigkeit“

Christina Schwarzer.

Wert und Schönheit von authentischem Metall für die Fahrzeuginnenausstattung

Die Alutrim Europe GmbH beeindruckt mit modernsten Technologien und internationaler Präsenz

Zusammen mit der Amtsleiterin für Stadtentwicklung und Bauen, Melanie Füllgraf und dem Wirtschaftsförderer der Stadt Kyritz, Kai Maslowski sowie dem Geschäftsführer der REG, Steffen Müller besuchte Landrat Ralf Reinhardt ein High-Tech-Unternehmen, welches für Qualität und Authentizität in der Automobilindustrie steht und Metallzier- und Dekorteile fertigt. 50 % des Umsatzes erzielt das Unternehmen aus individuell designten Lautsprechergittern, einem stark wachsenden Markt. Alutrim setzt auch auf natürliche Materialien, wie Miesmuscheln, Heu, etc., um einzigartige und nachhaltige Autozierteile herzustellen. „Auf diese Innovation sind wir besonders stolz und haben dafür eine
v.l. Ralf Reinhardt, Christina Schwarzer, André Basedow, Uwe Schedel, Nico Wagner-Kobel, Nadine Fürch, Steffen Müller (Foto: Alena Fissek, REG) Entwicklungsabteilung am Standort aufgebaut“, berichtete der Geschäftsführer Olaf Leifheit.

Doch auch in dieser Branche sind die Herausforderungen nicht weniger gering. Der Wettbewerbs- und Kostendruck ist enorm. Die steigenden Energie- und Materialpreise bei gleichzeitig steigenden Personalkosten zwingen das Unternehmen, noch effizienter und innovativer zu werden, sodass einerseits in Automatisierung investiert und andererseits in neue Märkte eingetreten wird, z.B. in die Medizintechnik. „Insgesamt ist der Standort Kyritz für uns ein wichtiger Standort im Bereich Technik und Forschung, in den wir weiter investieren“, betonte Olaf Leifheit in seiner Unternehmensvorstellung.

„Auf diese Innovation sind wir besonders stolz und haben dafür eine Entwicklungsabteilung am Standort aufgebaut“

Geschäftsführer Olaf Leifheit

Impressionen - Landrat und REG bei Alutrim 2026

v.r.n.l. Ralf Reinhardt, Rico Neubert, Melanie Füllgraf, Olaf Leifheit, Thomas Wallwiener, Melanie Brandenburg, Steffen Müller, Kai Maslowski (Foto: Alena Fissek, REG)

Die Alutrim Europe GmbH beschäftigt 150 Mitarbeitende, davon 5 Auszubildende – größtenteils aus Kyritz und Umgebung kommend. „Insbesondere für Auszubildende ist es schwer, bezahlbaren Wohnraum zu finden“, merkte Melanie Brandenburg, Personalleiterin der Alutrim Europe GmbH an. Landrat Ralf Reinhardt bestätigte dieses fehlende Angebot. Gleichzeitig plädierte er für kreative Lösungen wie Betriebswohnungen, z.B. in Kooperation mit anderen Unternehmen und mit Unterstützung der Stadt. Ein exemplarisches Beispiel dafür wie wichtig der enge Austausch zwischen Unternehmen und Kommune ist.

Auch der Fachkräftemangel insbesondere im Ingenieur- und Technik-Bereich beschäftigt die GmbH stetig. Doch auch hier wird innovatives Denken und Handeln unter Beweis gestellt. Die Kooperation mit Hochschulen und Universitäten in Brandenburg und Berlin ermöglicht es der Alutrim Europe GmbH, Forschungsprojekte und Strategieentwicklungen an Studenten in Auftrag zu geben, um potenzielle Fachkräfte früh an das Unternehmen zu binden.

Der Besuch endete mit dem Rundgang durch die Produktionshallen, in denen im 3-Schicht-Betrieb an Maschinen gearbeitet wird. Insbesondere die neuen Automatisierungskonzepte, die eine Produktivitätssteigung von ca. 150 Prozent bedeuten, beeindruckten abschließend die Gäste.