Aus der Reihe Unternehmensbesuche des Landrates in 2025

Unter Veterinär:innen und Landwirt:innen: Landrat besucht Putenfarm Kartzfehn.
12.12.2025

Zum Abschluss der diesjährigen Unternehmensbesuche war Landrat Ralf Reinhardt in Gühlen-Glienicke, einem wichtigen Standort des Unternehmens Kartzfehn Märkische  Puten GmbH. Gemeinsam mit Neuruppins Bürgermeister Nico Ruhle, REG-Geschäftsführer Steffen Müller und Wiebke Nowack, Referentin für Wirtschaftsförderung, informierte er sich über die beeindruckende Unternehmensgeschichte und, vor allem, die Perspektiven und Ziele von Familie Storck – in dessen Hand sich das Unternehmen seit 2020 befindet. Die Informationen kamen beim Unternehmensbesuch vom geschäftsführenden Gesellschafter persönlich, Thomas Storck, sowie seiner Frau und Mit-Gesellschafterin Dr. Barbara Storck, Christina Licht (Verwaltungsleitung für den Standort Brandenburg) sowie Veterinär Daniel Diephaus.

Unternehmensbesuch Kartzfehn Märkische Puten GmbH

Von links nach rechts: Nico Ruhle (Bürgermeister der Fontanestadt Neuruppin), Ralf Reinhardt (Landrat Ostprignitz-Ruppin), Thomas Storck (Geschäftsführender Gesellschafter), Dr. Barbara Storck (Gesellschafterin und Veterinärin), Steffen Müller (Geschäftsführer der REG Regionalentwicklungsgesellschaft Nordwestbrandenburg), Christina Licht (Verwaltungsleitung am Standort), Daniel Diephaus (Foto: Wiebke Nowack, REG)

Die Gründung des Unternehmens liegt weit zurück. 1922 fing alles an, 1957 kamen die ersten Puten – inspiriert von der Putenhaltung in den USA. In Deutschland stand jedoch von Beginn das Ziel der Zerlegung im Vordergrund, während in Amerika die Vermarktung ganzer Tiere für „Thanksgiving“ eine große Rolle spielte und noch heute spielt. 1991 wurde der Standort in Gühlen-Glienicke, bis dato die VEB KIM Puten- und Gänseproduktion Neuglienicke, übernommen. Besonders interessant in Bezug auf den Standort sind zwei Punkte: Zum einen wird es immer schwieriger vor Ort geeignete Mitarbeiter:innen zu finden. Das Personal kam und kommt daher häufig aus dem Ausland und fand und findet keinen passenden Wohnraum. Für das Unternehmen entstanden so beträchtliche Übernachtungskosten, weil bisher Hotelzimmer und Ferienwohnungen angemietet werden mussten. Das wird auch weiterhin vorkommen, aber man ist dazu übergegangen eigenen Wohnraum zu schaffen, indem beispielsweise vom Unternehmen Wohnungen angemietet und ausgestattet werden. Die Einrichtung eigener Unterkünfte werde sich schnell rechnen, so Thomas Storck. Außerdem spannend: das Unternehmen unterhält gleich mehrere Brütereien an unterschiedlichen Standorten. So kann – beispielsweise in Zeiten der Vogelgrippe – für die letzten Tage vor dem Schlupf, auf eine alternative Brüterei ausgewichen werden, wenn andernorts die Einschränkungen zu groß werden sollten. Auf diese Weise kann nicht zuletzt vermieden werden, dass Bruteier oder Küken vernichtet werden müssen. Bruteier seien aktuell knapp, so Frau Storck. Nicht nur in Deutschland, auch in den Nachbarländern mussten aufgrund der Vogelgrippe ganze Elterntierherden getötet werden, was nicht nur dramatisch für die betroffenen Tiere und Betriebe ist, sondern auch für das Angebot an Bruteiern.

Im weiteren Gespräch ging es um die Zukunft des Unternehmens, die Arbeitsteilung mit Partnerunternehmen (die Mast der Puten findet u.a. auf den Standorten des Unternehmens Gut Jäglitz statt), Synergieeffekte, aber auch die Sorge um eine zu starke Konzentration im Bereich der Schlachtung und Brütereien: In ganz Deutschland gibt es aktuell, neben einer geringen Anzahl von Direktvermarktern, nur noch drei große Schlacht- bzw. Vermarktungsunternehmen für Puten.

Familie Storck blickt trotz aller Herausforderungen optimistisch in die Zukunft und entwickelt das Unternehmen im Interesse der eigenen Kinder, die alle drei in die Fußstapfen der Eltern treten, weiter. Ein konkreter Plan betrifft die Putenställe bei Neuglienicke – die bestehenden, alten Anlagen mit je mehreren, verhältnismäßig kleinen Ställe sollen jeweils durch eine geringere Anzahl neuer und größere Ställe ersetzt werden. Im Ergebnis bliebe die Anzahl der Tiere gleich, die Versorgung der Tiere würde optimiert, die Gebäude wären dann energetisch auf dem aktuellen Stand, es würde weniger Fläche versiegelt werden und ein Teil des Geländes wäre zukünftig unbebaut.

Abschließend wurde auch bei diesem Termin wieder deutlich – der direkte Austausch zwischen Politik / Verwaltung und Wirtschaft im Rahmen von Unternehmensbesuchen durch den Landrat und den Bürgermeister ist für alle Beteiligten wichtig und wertvoll. Nur im Dialog und konstruktiven Miteinander kann unsere Region ein attraktiver Standort für Unternehmen bleiben.

Der Termin bei Kartzfehn Märkische Puten GmbH hat eine Tour durch den Landkreis abgerundet, welche insgesamt 22 Unternehmen unterschiedlichster Branchen berücksichtigte und aus welcher wertvolle Impulse für die Arbeit der Hauptverwaltungsbeamten, der Verwaltung und uns als Wirtschaftsförderung hervorgegangen sind. 

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