Zukunftsforum 2016 –
Regionale Wertschöpfung durch Gesundheitswirtschaft und Tourismus?!

„Gesundheitswirtschaft und Tourismus – wie passt das zusammen?“ Diese zentrale Frage diskutierten am 2. März 2016 auf dem zweiten Zukunftsforum der Regionalentwicklungsgesellschaft Nordwestbrandenburg mbH etwa 50 Vertreter und Vertreterinnen aus Unternehmen und Verbänden, Politik und Fachverwaltungen im Sport- und Bildungszentrum Lindow (Mark). Das Zukunftsforum griff damit zwei Schwerpunkte der ersten Veranstaltung 2014 auf, um sie zu vertiefen.

In seiner Begrüßung hob Landrat Ralf Reinhardt die angesichts des demografischen Wandels besondere Bedeutung der Gesundheitswirtschaft hervor, Hans Schaefer (Geschäftsführer der REG mbH) fasste die bisherigen Aktivitäten zur Unterstützung dieser Sektoren in der Region zusammen. Nina Heinecke (CIMA Institut für Regionalwirtschaft GmbH) kam in ihrem anschließenden Vortrag zu dem Schluss, dass sich der Landkreis auch im bundesweiten Vergleich u.a. durch überdurchschnittlich viele Beschäftigte in der Gesundheitswirtschaft und die hohe Zahl an Übernachtungen in einer sehr guten Ausgangsposition befindet. Damit Gesundheitswirtschaft und Tourismus tatsächlich Motoren für eine „Gesundheitsregion“ werden, müssen attraktive, hochwertige Angebotspakete „geschnürt“ und damit Nachfragesegmente des Zweiten Gesundheitsmarktes adressieren werden.

Dr. Andreas Zimmer (TMB Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH) forderte die Akteure auf: „Starten Sie durch“. Dies sei nötig, um die auch aus Sicht des Landes Brandenburg guten Chancen zügig zu nutzen und Mitbewerbern (im Land) keinen Vorsprung einzuräumen. Krankheitsbedingt konnte Nora Görke (Bürgermeisterin Hansestadt Kyritz) ihre geplante Einordnung aus kommunaler Perspektive nicht persönlich vermitteln. An ihrer Stelle stellte Axel Leben (REG mbH) den Status Quo in der Entwicklung der Gesundheitsregion OPR vor und vermittelte den Teilnehmenden eine Vorausschau auf die geplanten Aktivitäten insbesondere bei der Entwicklung des Gesundheitstourismus im Jahr 2016.

Im Anschluss an die Impulsvorträge kamen die regionalen Akteure aus Tourismus und Gesundheitswirtschaft, in einer Art World-Café an Themen-Tischen miteinander und mit geladenen Experten ins Gespräch. Am Themen-Tisch Wertschöpfungsketten wurde mit den Gastgeberinnen Ursula Hannapel (Ruppiner Kliniken) und Nina Heinecke (CIMA) und Gastgeber Thomas Lilienthal (Stadt Rheinsberg) diskutiert, wie medizinische und medizintechnische Innovationen – v.a. in Prävention, Reha und Therapie – als Alleinstellungsmerkmal für den Tourismus und die regionalen Wertschöpfungsketten genutzt werden können. Der Themen-Tisch Marketing – mit den Gastgebern Christoph Boeck (KMG Kliniken) und Dr. Andreas Zimmer (TMB) – erörterte, wie das Image der Region als Ziel für den Gesundheitstourismus geprägt werden kann und wie gesundheitsorientierter Tourismus – auch internationale – Besucher in die Region ziehen kann.

Was braucht es, damit so unterschiedliche Bereiche wie Gesundheitswirtschaft/ Medizin und Tourismus enger zusammenarbeiten können? Was können sich die beiden Wirtschaftszweige anbieten und wie sehen die jeweiligen branchenspezifischen Anforderungen aus? Diese Fragen wurden am Themen-Tisch Netzwerk mit den Gastgebern Dr. Ralf Greese (Ärztenetzwerk medifair) und Jörn Fritsch (Tourismusverband Ruppiner Seenland) besprochen. Die Gastgeberinnen Cornelia Christiansen (Berufliche Schule Sport & Soziales Lindow) und Kathrin Köppen (ASB Kreisverband Ostprignitz-Ruppin) betreuten am Themen-Tisch Arbeitsmarkt die Diskussion rund um die Fragen Fachkräftesicherung sowie Bildungs- und Qualifizierungsbedarfe in Gesundheitswirtschaft und Tourismus und welche Rolle Arbeitszeit- und Arbeitsplatzgestaltung („Gute Arbeit“) spielen. Am Themen-Tisch Produktentwicklung diskutierten die Teilnehmenden mit Gastgeber Andreas Heine (Landhotel Heine) und Gastgeberin Christa Lemmé (Nuester UG), welche Produkte in der Region „fehlen“ und für welche Angebotslücken (z.B. Dienstleistungen) die Bemühungen um Unternehmensgründungen und Ansiedlungen verstärkt werden sollten.

Zusammenfassend zeigten sich in den Diskussionen folgende Gemeinsamkeiten:
Als anstehende Aufgaben wurden an mehreren Tischen die Profilierung der Region (wer wollen wir sein?) und ein anschließendes „Marketing mit Profil“ genannt, außerdem sei die Gewinnung weiterer Akteure, die Stärkung der Netzwerke und nicht zuletzt eine gemeinsame Produktentwicklung wichtig. Dazu sollte auch die Zahlungsbereitschaft des zweiten Gesundheitsmarkts ermittelt bzw. eine zielgruppenabhängige Marktanalyse durchgeführt werden. Wesentlich seien auch die Entwicklung von Qualitätsstandards und eine entsprechende Zertifizierung. Weiterhin darf die Sicherung entsprechender Rahmenbedingungen nicht vergessen werden: dazu gehören gute Lebens- und Arbeitsbedingungen (u.a. Wohnraumangebote und Vereinbarkeit von Familie und Beruf), Anpassungen im regionalen Bildungsmarkt (z.B. spezielle Qualifizierungen für Therapeuten und Touristiker) und nicht zuletzt die notwendige Infrastruktur (Stichworte: Radwege, Bahnanbindung, Barrierefreiheit, Trimm-Dich-Parkanlagen).

Die verschiedenen Produktideen, die an unterschiedlichen Tischen entwickelt wurden, werden künftig in Produktworkshops mit Leistungsträgern weiter geprüft.